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Petra Weiß

Meine “GOSFORD”-Jacke aus Jakobschafwolle

Die Anleitung hatte ich in der Zeitschrift: “The Knitter” Issue 10 (Originalausgabe in englisch) gesehen. Das Design ist “Gosford” von Judy Furlong.

Das Modell hatte es mir sofort angetan – nur das verwendete Garn und die Farben gefielen mir nicht besonders. Die Suche nach den Fasern, die Verarbeitung und das Handstricken und Konfektionieren – mit immer mal wieder zur Seite legen – hat dann insgesamt ca. 2 Jahre gedauert. Auch deshalb, weil es in Italien im Sommer einfach zu heiß ist, um Wolle zu verstricken. Leider habe ich mir keine Notizen über die tatsächliche Arbeitszeit gemacht.

Und so lief die Umsetzung von der Idee zur fertigen Jacke:
Diese Jacke im klassischen englischen Reiterstil ist 100% Handarbeit: von der frisch geschorenen Faser bis zum fertig konfektionierten Teil. Sie besteht aus Jakobschafwolle, die mich wegen ihrer Vielfarbigkeit sehr fasziniert. Die Jakobschaffasern habe ich frisch geschoren von einem Schafhalter in Deutschland erworben und nach den hellgrauen für die Blenden und Beläge sehr lange gesucht, damit die Farbe auch schön zum Jakobschaf passt. Wenn ich das richtig erinnere stammt diese hellgraue Wolle von der Wollsammlung, die jedes Jahr in der Trocknung in Feldkirchen (Bayern) statt findet. Daher weiß ich leider nicht, welchem Schaf sie abhanden gekommen ist.

Die weiteren Verarbeitungsschritte waren:
Handwäsche der geschorenen Fasern, kardieren auf meiner Trommelkarde (von Tom Walther) und anschließend 2-fädiges Streichgarn auf meinem Ashford Traditional spinnen. Entspannungsbad inklusive…

Danach endlich alle Jackenteile einzeln mit der Hand stricken (Nadelstärke: 4,5mm), auch die Blenden und Beläge (Nadelstärke: 2,5mm). Die Herausforderung dabei: die Teile werden bereits mit Abnähern gestrickt. Da musste auch die Garnstärke 100% passen.
Das Zusammennähen und Konfektionieren habe ich dann natürlich auch per Hand gemacht – wenn schon, denn schon!

Ach ja, die Knöpfe: auch das war eine lange Suche…. Fündig geworden bin ich vor ein paar Jahren auf dem Wollmarkt in Vaterstetten (bei München), am Stand von „Atelier Bellis“. Dort gab es die passenden Metallknöpfe für meine Jacke.

So ist ein echtes Unikat entstanden, auch wenn die Jacke nach einer Anleitung gestrickt wurde. Sie trägt sich wunderbar – wobei ich nicht sehr empfindlich bin und die etwas grobere Jakobschafwolle auch mit nur kurzärmeligem T-Shirt drunter leiden kann.

Eine Rassenbeschreibung des Jakobschafs mit Foto kann man hier finden: