Handspinngilde e.V. Handspinngilde e.V.

Helga Heubach

Hier zwei große Gewebe von mir (in Ausschnitten), die zu meinen Lieblingsstücken gehören und die ich bereits vor mehr als zehn Jahren anfertigte.

Das Gewebe ist mein Versuch, ob ich ein 10 Meter langes und 1 Meter breites Wollgewebe zustande bringe, handgesponnen und handgewebt. Dafür fuhr ich damals - weil ich wenig Weberfahrung hatte - in die Lehrwerkstatt Wangen, die es so leider nicht mehr gibt.

Gesponnen hatte ich vorher dazu monatelang, vor allem beim Kettgarn wußte ich nicht, wie reibfest sich jeweils beim Anschlagen der Lade die jeweilige Wolle von den verschiedensten Schafrassen (Milchschaf, Gotland,  Merino, Romney, Perendale, Shetland) verhält, so beschloß ich, mein Kettgarn lieber zu zwirnen. Das machte ich auch für die Garne des Eintrags, die ja durchaus etwas fülliger sein durften.

Für ein zehn Meter langes Gewebe muß man ja eigentlich Garnberechnung machen - davor grauste mir. So nahm ich ein kleines Probestück vom Musterwebstuhl, von dem ich der Meinung war, daß hier das Kette-Schußverhältnis identisch sei wie dann bei der 10-Meter-Kette, maß es aus und rechnete das Format auf die zehn Meter Länge um. (Wie oft paßt das Stück in diese Fläche?)
Dann wog ich das Mustergewebe auf meiner Küchen-Digitalwaage, um das Gewicht zu erfahren und rechnete hoch, wie schwer das Zehn-Meter-Gewebe (sowie einen Meter breit) wohl sein würde.

Dann stellte ich mich mit meinem gesponnenen Kettgarn im Sack auf meine Personenwaage und schaute nach dem Gewicht; und dann ohne diesen Sack. Die Differenz  war das Gewicht meines Kettgarns.

Dasselbe machte ich mit meinen Eintragsgarnen.

Da ich mehr als 2 Kilo Gewicht handgesponnener Garne mehr hatte als nach dieser Berechnung  pi-mal-Daumen notwendig war, schulterte ich meine Säcke und reiste damit zum Weben nach Wangen.

In der Tat, ich hatte Glück: wirklich bis auf den letzten Knäuel konnte ich das Garn verweben.- Die Verwandlung monatelang gesponnener Garne in ein Gewebe, das dann in zehn Tagen entstand, war ein Erlebnis für sich.

Hier hatte ich mehrere Säcke von Kamelhaar - insgesamt von 5 Tieren - erhalten, die unterschiedliche Farbschattierungen von hellbeige bis dunkelbraun besaßen und ein Tier war weiß. Es waren Placken, die von den Tieren in den Staub abgefallen waren, entsprechend staubig waren sie. Sie ließen sich jedoch perfekt in diesem Zustand verspinnen, sodaß ich - trotzdem ich öfters husten mußte - dachte, wie angenehm ist doch diese Art des Verspinnens. Und Waschen tue ich hinterher die Stränge.

Nachdem ich alles gesponnen hatte - halbe/halbe Kettgarn und Eintragsgarn - stellte ich mich wieder auf die Personenwaage, um festzustellen, wie Kilogramm Wolle ich da nun insgesamt zur Verfügung hatte.

Nach dem Modell des ersten langen Gewebes webte ich dann - mittlerweile auf meinem eigenen Glimakra Webstuhl - eine 4-Meter lange Kette ab. Das Gewebe  hatte letztlich eine Länge von 3,50 m. Ich kann in diese Bahn nicht hineinschneiden, um  dann beide Partieen aneinanderzunähen, ich wickle mich lieber damit ein.