Handspinngilde e.V.

Buchbesprechung

Karin Tegeler: Leitfaden zum Färben mit Pilzen

Fundorte der Pilze: Norddeutschland, Süd- und Mittelschweden, Thüringen, Rhön, Schwarzwald

60 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen; Gestaltung: Christian Tegeler
(2012)
Herausgeber: Bayerische Mykologische Gesellschaft e.V., Pegnitz
Preis: 20,- €

Die Autorin Karin Tegeler ist den Mitgliedern der Handspinngilde längst mit ihren Filz- und Färbekursen für Anfänger und Fortgeschrittene, ihren Rot- und Blaufärbewochenenden, Waldwanderungen-und-danach-mit-den-gefundenen Pilzen-färben; Beizen mit umweltfreundlichen Kalt- und Naturbeizen nach Johannes Harborth; den Shibori-, Nuno- und Blaudruckkursen etc. bekannt. Ihre profunde Kenntnis der verschiedensten textilen Techniken, ihre Experimentierlust und ihr Forscherdrang, ihre jahrzehntelange Erfahrung als Kursleiterin auch auf internationalen Veranstaltungen sowie ihre seit langen Jahren vom Thema Pilzen faszinierte Färbepraxis haben nun diesen Leitfaden hervorgebracht. Damit öffnet Karin einem breiteren Publikum die Tür zu diesem bisher von Pflanzenfärbern wenig beachteten Gebiet: „Pilze haben als Farbspender bisher nur wenig Beachtung gefunden.

Nachgewiesen ist, daß in Europa im 17. Jahrhundert der Reizker zum Gelbfärben benutzt wurde, während in Lappland der „Birkenpilz“, vermutlich ein Porling, in Gebrauch war. Erst in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts nahmen sich Kunsthandwerkerinnen in den USA und in Europa der Pilze an“, so Dorit Berger (1998) in ihrem Pflanzenfärbebuch. 1984 war in der Schweiz bei Orell Füssli die deutsche Übersetzung von Carla und Erik Sundströms Buch Mit Pilzen färben erschienen. Dieses Buch interessierte damals Karin und sie experimentierte damit. Und nun hat, fast drei Jahrzehnte später, eben diese Carla Sundström, die europäische Pionierin im Pilzefärben, das Vorwort zu Karins Leitfaden verfaßt, aus welchem deutlich wird, daß Karin mit ihrer Arbeit im kleinen Kreis der international vernetzten Pilzfärbespezialisten absolut angekommen ist. Vor allem mit ihrem Ansatz, keine Chemiebeizen zu verwenden sondern Natur- und Kaltbeizen und der Philosophie, die dahinter steckt, sowie den überzeugenden Ergebnissen hat sie diesen Kreis wesentlich bereichert und sensibilisiert und dadurch eine ganz besondere Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Zu danken ist zusätzlich vor allem der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft e.V., die die Herausgabe und den Druck dieser 60 Seiten umfassenden Broschüre im DIN A 4-Format mit seiner großen Anzahl von klaren großzügigen Farbfotos übernahm. Uns Laien kommt mit diesem Buch nicht nur Karins jahrzehntelange Erfahrung und Vernetzung mit Pilzfärbern weltweit zugute, ebenso ihr Schritt zur ausschließlichen Anwendung von Kalt- und Naturbeizen nach Johannes Harborth (Hamburg). Johannes Harborth gab bereits vor Gründung der Handspinngilde uns Handspinnern, die gerne pflanzenfärbten, seine vielbeachteten Kurse im Kaltfärben (www.textiles-werken.de). Mit ihrem Buch macht Karin Tegeler nun einem größeren Kreis Harborths Beizen bekannt. Die üblicherweise benutzten Beizen mit Alaun und Weinstein zeitigen zwar bequeme wie sichere Erfolge, haben jedoch den Nachteil, daß sie durch das einstündige Erhitzen/Kochen die Wolle schädigen, unnötig Ressourcen verbrauchen und nicht unbedingt umwelt- und hautfreundlich sind. Von den anderen Chemiebeizen ganz zu schweigen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Pflanzenfärber bereits vor 100 Jahren bedenkenlos Chemiebeizen übernahmen nur weil sie einfacher zu handhaben waren, als die zuvor benutzten Naturbeizen von vergorenem Urin, Sauerbier, Jauche, Kalklauge, Aschenaufgüsse, Bärlauch, Eisenhammerschlag, Großer Ampfer, Eichengalläpfel, Schwarzerle im Eisenkessel, Vogelmiere etc – hat dazu geführt, daß die meisten Anleitungen zum Pflanzenfärben, die heutzutage auf dem Buchmarkt erhältlich sind, unhinterfragt diese allseits selbstverständlich verwendeten Chemiebeizen bei ihren Färberezepten angeben. Beim Lesen des Leitfadens spürt man bei jeder Zeile Karins jahrzehntelange Erfahrung. Sie kennt Fehler, die immer wieder von Anfängern gemacht werden; daher erklärt sie deutlich, aber zugleich prägnant die gebräuchlichen Fachausdrücke, Symbole sowie das notwendige Handwerkszeug; sie beschreibt exakt die Vorbereitung von Fasern/ Gewebe für die anstehende Wollwäsche; das Beizen mit Tonerde-Kaltbeize AL und Eisen-III-Kaltbeize nach Johannes Harborth (beides erhältlich über www.textileswerken. de) sowie den eigentlichen Färbeprozeß mit der großen Zahl verschiedenster Pilze, vor allem Hutpilze, die sie in den Wäldern Süd- und Mittelschwedens, Thüringens, der Rhön, des Schwarzwaldes gefunden hat und die sie mit sprechenden klaren Farbfotos vorstellt. Und das alles so selbstverständlich und einleuchtend, daß man das Buch gerne liest.

Eine großartige Pionierleistung und ein wunderbares Geschenk, daß Karin uns PflanzenfärberInnen damit gemacht hat.

AutorIn: Helga Heubach