Handspinngilde e.V.

Buchbesprechung

Dorothea Fischer: Lac Dye. Das königliche Rot aus der Natur Asiens

Färben und Stricken mit Lust und Leidenschaft

160 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen

ISBN 978-3-7392-6580-3

Preis: 28,99 €

Erscheinungsjahr: 2016

Gleich nachdem Dorothea Fischers neues Buch im Frühjahr 2016 erschienen ist, zog es auch in meinem Bücherschrank ein. Denn als großer Rotfan hatte ich einerseits Verständnis dafür, dass der wunderbare Farbstoff Rotholz aus artenschutzrechtlichen Gründen kaum noch verfügbar ist, andererseits vermisste ich auch die Möglichkeit kühle Rottöne mit natürlichen Farbstoffen zu färben. Deshalb war ich sehr gespannt, auf die Möglichkeiten die Lac Dye bietet. Dieser Farbstoff wird aus den Kokons der Schelllackläuse in Asien gewonnen und ist somit nachwachsend.

Dorothea Fischer beschreibt in ihrem Buch sehr detailliert die Aufzucht und Lebensweise der Schelllackläuse. Ergänzt wird das Buch mit einem interessanten Exkurs zur Verwendung von Lac in alten Perserteppichen von Artur Telfeyan, einem Experten für Orientteppiche sowie einigen schönen Strickanleitungen mit Modellen aus Lac gefärbten Garnen.

Der Hauptteil des Buches widmet sich jedoch 8 Färberezepten, mit denen man ganz unterschiedliche Rot-, Rosa- und Violetttöne erzielen kann. Die Farbvielfalt wird durch die Kombination unterschiedlicher Beizen und Farbstoffkonzentrationen erzielt. Dabei ist es erstaunlich, wie ergiebig dieser Farbstoff ist, bereits mit 2% Lac im Verhältnis zur Wollmenge, kann man schöne helle Rottöne erzielen.

Eigene Färbeerfahrungen

Meistens beginne ich meine Färbesaison erst Ende April/ Anfang Mai, in diesem Jahr habe ich den Start einige Wochen vorverlegt, denn meine Neugierde auf diesen Farbstoff war so groß. Zunächst habe ich mich erst mal nach möglichen Bezugsquellen umgesehen. Einige Lieferanten, die von Dorothea genannt werden liefern nur an Gewerbetreibende, mittlerweile haben aber auch die größeren Wollhändler Lac Dye in ihr Sortiment aufgenommen. Mit ca. 40€ pro 100g ist Lac auf den ersten Blick ein teurer Farbstoff, bedenkt man aber die geringen Mengen die benötigt werden, sind die Färbungen ähnlich kostenintensiv wie Cochenille-Färbungen.

Nachdem der Farbstoff mich erreichte, probierte ich einige der Rezepte aus und experimentierte auch mit Färbungen auf Kaltbeize (die verwendet Dorothea Fischer nicht). Auf diese Weise konnte ich feststellen welch eine große Bandbreite dieser Farbstoff bietet.

Wobei mir die Färbungen nach Dorotheas Rezepten besonders gut gefielen und ich auch beim späteren Spinnen und Stricken bemerkte, dass sie reibechter sind als die Färbungen auf Kaltbeize. Bislang habe ich noch nicht alle Rezepte ausprobiert und ich bin gespannt auf weitere Experimente.

Abschließend kann ich allen passionierten Pflanzenfärberinnen dieses Buch empfehlen, es ermöglicht das gezielte Färben verschiedener Nuancen aus der Rot-Lila-Palette und enthält viele interessante Hintergrundinformationen. Dorothea Fischer hat ein Exemplar dieses Buches unserer Bibliothek gespendet, somit kann das Buch auch von unseren Mitgliedern entliehen werden.

AutorIn: Claudia Heinze-Schäfer