Handspinngilde e.V. Handspinngilde e.V.

Wie lerne ich das Spinnen am Spinnrad?

Das Spinnen mit dem Spinnrad erfordert einiges an Hand-/Fußkoordination. Das ist für den Anfang viel auf einmal. Daher empfehlen wir das folgende Vorgehen:

Trocken üben

Anfangs sollten Sie das Spinnrad kennen lernen und "trocken" üben. Wählen Sie einen Stuhl in der richtigen Arbeitshöhe und setzen Sie sich vor das Spinnrad. Setzen Sie Ihren rechten Fuß auf das Trittbrett und bringen Sie das Schwungrad mit der Hand zum Drehen. Fangen Sie langsam an zu treten. Erst wenn Sie das Rad mit gleichmäßiger Geschwindigkeit drehen können, ohne daß das Rad stoppt oder sich in der anderen Richtung dreht, beherrschen Sie das Treten. Nehmen Sie sich Zeit zum Üben. Je besser und regelmäßiger Sie treten, desto leichter können Sie nachher spinnen.

Hilfsfaden und Bremse

Um anzufangen benötigen Sie einen Hilfsfaden von ca. 70 cm, den Sie fest um die Achse der Spule knoten. Beim Drehen der Spule darf der Hilfsfaden nicht verrutschen. Kleben Sie deshalb den Knoten mit einem Stückchen Klebeband am Holz fest. Führen Sie den Faden über die 4 Haken auf der einen Seite des Spinnflügels durch die Einlassöse. Mit der Bremse (Lederbändchen mit Schraube) regeln Sie die Geschwindigkeit mit der das Spinnrad den Faden stramm wegzieht. Je fester die Bremse angezogen ist, desto schneller wird der Faden durch die Einlaßöse weggezogen. Stellen Sie anfangs die Bremse ganz locker ein, so dass der Hilfsfaden und anschließend der gesponnene Faden langsam weggezogen werden. Sie können sich dann besser auf das Regulieren der Fadenstärke mit den Händen konzentrieren. Wenn Sie die Zufuhr der Wolle später besser beherrschen, ziehen Sie die Bremse etwas stärker an.

Ganz hilfreich ist es auch zu Anfang ein ganzes Knäuel diese Hilfsfadens mit dem Spinnrad aufwickeln zu lassen. Dann kann man sich zunächst auf das Treten konzentrieren und merkt, wie der Einzug des Spinnrades auf die unterschiedlichen Bremseinstellungen reagiert. Aber der Auszug der Wolle entfällt dann in diesem Schritt noch.

Ansetzen der Wolle

Legen Sie sich etwas ungesponnene Wolle auf den Schoß. Mit der linken Hand ziehen Sie aus der Mitte ein wenig Wolle heraus und halten mit der rechten Hand das andere Ende an den Hilfsfaden. Beim Drehen des Spinnrads wird nun der Hilfsfaden in sich gedreht und nimmt dabei die Wollfasern mit, so daß die Wolle, zuerst mit und nachher ohne den Hilfsfaden, zu einem Faden gedreht wird.

Die Stärke des Wollfadens bestimmen Sie selbst; wenn Sie viel Wolle zuführen entsteht ein dicker Faden und wenn Sie die Wollfasern weit auseinander ziehen, entsteht ein dünner Faden.

Das Wegziehen des gesponnenen Fadens

Wenn Sie langsam treten, wird der Hilfsfaden durch die Einlaßöse weggezogen. Halten Sie dabei den Hilfsfaden und die Wolle stramm zusammen, so daß die Wolle sich mit dem Hilfsfaden verdrehen kann. Wenn nun später der Hilfsfaden zu Ende ist, müssen Sie beim Spinnen den Wollfaden ebenfalls ein wenig Gegenspannung geben.

Wenn Sie den Faden zu schnell einführen, wird die Wolle nicht genügend gedreht und es entsteht ein sehr lockeres Garn, das schnell reißen könnte. Wenn Sie den Faden zu lange gegenhalten wird die Wolle zu stark gedreht, und es entstehen Schlingen im Faden.

Wenn Sie die Bremse locker einstellen, wird der Faden nur langsam weggezogen und Sie haben mehr Zeit, die Wolle gleichmäßig zuzuführen.

Das Zuführen der Wolle

Es kommt darauf an mit beiden Händen die Zufuhr der Wolle so zu regeln, dass ein Faden entsteht. Üben Sie sich zuerst darin, die Wolle gleichmäßig zuzuführen, so dass der Faden nicht reißt. Einen schönen, gleichmäßigen Faden zu spinnen, erfordert eine Fingerfertigkeit, die Sie sich aneignen müssen.

Am Anfang werden Sie mal zu viel, mal zu wenig Wolle zuführen oder den Faden zu schnell oder zu langsam durch die Einlassöse führen. Es kommt darauf an das richtige Verhältnis zwischen Spinngeschwindigkeit und Wollzufuhr herauszufinden.

Mit der linken Hand geben Sie ein wenig Gegenspannung und lassen die Wolle weggleiten, wenn genügend Drehung vorhanden ist. Mit der rechten Hand sorgen Sie für die Wollzufuhr. Beim Üben werden Sie merken, daß Sie in einer fließenden Bewegung eine Anzahl Handlungen gleichzeitig verrichten.

Halten Sie die Finger der linken Hand auf ca. 4 cm Abstand von der Einlaßöse. Der Abstand zwischen den beiden Händen sollte ca. 15 cm betragen. Wenn letzterer Abstand zu klein ist, wird die Wolle schon gedreht werden, bevor sie richtig auseinander gezogen ist. Der Faden wird dann immer mehr Wollfasern mitnehmen, so daß der Faden immer dicker wird, bis Sie die Wolle überhaupt nicht mehr ausziehen können.

Das Aufwickeln des Fadens auf die Spule

Der Faden gleitet über die Häkchen um die Achse der Spule. Um den Faden gleichmäßig auf die Spule zu wickeln, wechseln Sie die Häkchen. Es ist wichtig, dass sie den Faden gleichmäßig aufwickeln um nachher leicht abwickeln zu können. Wenn Sie merken, dass die Wolle zu schnell aufgewickelt wird, weil die Spule voller wird, sollten Sie die Bremse ein wenig anziehen.

Die Qualität des Wollfadens

Wenn Sie das Bisherige beherrschen, können Sie anfangen, die Qualität des Fadens zu beachten. Drehen Sie jetzt die Bremse so stark an, dass die Wolle in einer für Sie geeigneten Schnelligkeit weggezogen wird. Sie erhalten einen schönen, regelmäßigen Faden, wenn das Verhältnis zwischen Treten, Geschwindigkeit der Wollzufuhr, die Menge Wolle die Sie einführen und die Einstellung der Bremse richtig ist.

Dünne Stellen im Faden

Wenn nicht genügend Wolle zugeführt wurde, entsteht eine dünne Stelle, an der der Faden reißen kann. Wenn der Faden nicht reißt, aber zum Stricken doch zu dünn ist, drehen Sie das Schwungrad zurück, bis sich die Schwachstelle vor der Einlaßöse befindet. Dann reißen Sie den Faden ab.

Das Ansetzen der Wolle geschieht auf der gleichen Weise wie am Anfang mit dem Hilfsfaden, wobei nun die letzten 15 cm der gesponnenen Wolle als Hilfsfaden dient.

Versuchen Sie eine Verdickung im Faden zu vermeiden, dadurch, dass Sie beide Wollenden auseinander ziehen bis zur Stärke, in der Sie bereits gesponnen haben.

Dicke Stellen im Faden

Wenn Sie plötzlich zu viel Wolle zugeführt haben, entsteht eine Verdickung im Faden. Halten Sie das Schwungrad an und ziehen Sie den Faden zurück, bis die dicke Stelle vor der Einlaßöse ist. Halten Sie mit der linken Hand den Faden über der dicken Stelle fest und drehen Sie mit der rechten Hand die Drehung aus dem Faden. Ziehen Sie die Wolle an der dicken Stelle auseinander und lassen Sie dann die Drehung wieder zurück. Mit der linken Hand halten Sie weiterhin den Faden fest und fangen wieder in der richtigen Fadenstärke an zu spinnen.

Die Spule ist voll

Das letzte Ende des gesponnenen Fadens wird sich sofort nach dem Loslassen zurückdrehen, zum Beispiel, wenn die Spule voll ist. Um das zu vermeiden, spinnen Sie die letzten 25 cm Wolle sehr fest; halten Sie dabei das Fadenende so lang wie möglich zwischen Daumen und Zeigefinger fest. Zum Abwickeln der Wolle von der Spule eignen sich eine Garnwinde oder Handhaspel (NiddyNoddy). Sie können die Wolle aber auch um die Rückenlehne eines Stuhls wickeln, um einen Strang zu erhalten. Der Strang sollte an 2 bis 3 Stellen locker abgebunden werden.

Wenn Sie die Wolle nach dem Spinnen noch verzwirnen wollen, lassen Sie die Wolle auf der Spule. Die volle Spule können Sie vorne am Spinnrad auf die Achse der Zwirneinrichtung stecken.

Das Regulieren der Stärke

Jedes gesponnene Garn hat eine bestimmte Stärke und wird gestrickt oder gehäkelt mit entsprechenden Nadeln. Um festzustellen, welche Nadeln Sie für Ihr gesponnenes Garn benötigen, ist es sinnvoll, zunächst Garne von verschiedener Stärke zu spinnen. Wenn Sie mehrere Stärken gesponnen haben, stricken Sie davon Probeläppchen. Anhand des besten Resultats bestimmen Sie für jedes Garn die richtige Nadelstärke.

Es ist praktisch, von jedem gesponnenen Garn ein Muster abzuschneiden, und dieses mit einem Kärtchen mit der geeigneten Nadelstärke zu versehen.

Ein zu locker gesponnener Faden ist nicht stark genug, um damit zu stricken oder zu häkeln. Wenn der Faden zu locker wird, lösen Sie die Bremse etwas und halten die Wolle etwas länger fest. Ein gut gesponnener Faden sollte ein paar lockere Schleifen bilden. Zu fest gesponnene Wolle hat viele Schleifen. In dem Falle sollten Sie die Bremse etwas anziehen und die Wolle schneller zugeben oder langsamer treten.

Um gestrickte oder gehäkelte Teile aus selbstgesponnener Wolle zusammenzusetzen, verwenden Sie am besten einen dünnen, festgesponnenen Faden der gleichen Farbe.

S- und Z-Drehung

Wenn Sie beim Spinnen das Schwungrad im Uhrzeigersinn nach rechts drehen, bekommt das gesponnene Garn eine Z-Drehung. Wenn Sie linksherum drehen, bekommt das Garn eine S-Drehung:

Beachten Sie, daß zwei Z-gedrehte Garne immer durch eine S-Drehung verzwirnt werden sollen. Wenn Sie also rechtsherum spinnen, müssen Sie linksherum verzwirnen. Dementsprechend sollte S-gedrehtes Wollgarn mit einer Z-Drehung verzwirnt werden.

Der Bouclé-Effekt wird erzielt, wenn Sie einen S-gedrehten Faden mit einem Z-gedrehten Faden zusammen verzwirnen.

Beim Verzwirnen eines S-gedrehten mit einem Z-gedrehten Faden wird der eine Faden noch stärker gedreht, während der andere Faden etwas aufgedreht wird. Auf diese Weise können Sie schöne Effektgarne herstellen.

Verzwirnen der Wolle

Mit der Zwirneinrichtung, sie besteht aus 2 Spulen und 2 Achsen, die sich vorne am Spinnrad befindet, können Sie zwei gesponnene Fäden zusammen drehen (verzwirnen).

Zwei Spulen mit gesponnenem Garn werden unten vor dem Spinnrad auf die Achsen gesteckt. Knoten Sie wieder einen Hilfsfaden an die Achse der Spinnspule und führen Sie diesen über die Häkchen und durch die Einlassöse. Halten Sie die beiden Enden der gesponnenen Wolle an den Hilfsfaden. Jetzt drehen Sie das Schwungrad und lassen beide Fäden gleichmäßig weggleiten. Achten Sie darauf, dass die Wollfäden ohne Schleifen zusammengehalten werden.

Ein gut verzwirnter Faden ist überall gleich stark gedreht und es empfiehlt sich daher, mit beiden Händen mindestens 20 cm vor der Einlassöse zu arbeiten, so dass sieh die Drehung besser über den verzwirnten Faden verteilen kann.

Waschen

Auf jeden Fall sollte das gesponnene Garn gewaschen werden, damit die Drehung fixiert wird. Wickeln Sie dazu das Garn auf einen Strang, den Sie an 2 oder 3 Stellen locker abbinden. Die gesponnene Wolle wird mit einem speziellen Wollwaschmittel in lauwarmes Wasser eingetaucht, einziehen lassen und ausdrücken. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis die Wolle sauber ist. Nach dem Waschen wird die Wolle in lauwarmem Wasser ausgespült. Dem letzten Spülgang wird etwas Essigessenz beigegeben, das neutralisiert die Waschmittelreste, die auf Dauer die Wolle spröde und brüchig machen würden. Zum Schluss werden die Stränge in ein Wäschenetz gegeben (Kopfkissenbezug tut es auch) mit 1000 U/min geschleudert.

Hängen Sie die Wolle zum Trocknen im Schatten auf. Nicht in die Sonne oder auf die Heizung legen, sonst vergilbt das Garn!

Die Wolle

Es würde den Rahmen dieser kurzen Anleitung sprengen, Ihnen alle auf dem Markt erhältlichen Wollsorten vorzustellen. Bitte, erkundigen Sie sich deshalb in Ihrem Fachhandel nach Spinnwolle.

Färben der Wolle mit Naturfarben

Die Natur bietet eine große Auswahl an Farbpflanzen mit denen Sie Ihre handgesponnene Wolle einfärben können. Bei der Auswahl dieser Naturfarben kommt es jedoch darauf an Produkte zu wählen, die eine relativ gute Lichtechtheit besitzen. In Ihrem Fachhandel erhalten Sie ein Sortiment von Farbpflanzen, wie Sandelholz, Krapp, Blauholzextrakt, Bärentraube, Cochinelle, Indigo, Färberginster und viele andere Farbstoffe, sowie die zum Färben erforderlichen Beizmittel zum Vor- und Nachbeizen.

AutorIn: Spinnanleitung von RENS + SMITS OHG aus Emmerich