Handspinngilde e.V. Handspinngilde e.V.

Spinnräder mit Spulenbremsen

Bei diesem System wird der Spinnflügel angetrieben und die Spule gebremst. Dies geschieht in der Regel über einen Bremsfaden (oftmals als Angelschnur-ähnlichem Nylonmaterial), dessen Spannung und damit die Bremswirkung verstellt werden kann.

Bei manchen Spinnrädern dieses Typs sitzt der Wirtel (Antriebsscheibe des Spinnflügels) vorne am Spinnflügel (Abb. A) zwischen Spinnöffnung und Spinnflügelarmen (z.B. bei den einfädigen Ashford Spinnrädern). Dies hat den Vorteil, dass man den Wirtel nicht entfernen muss, um einen Spulenwechsel vornehmen zu können.


1 – Wirtel (Schnurscheibe)
2 – Spul(en)scheibe
3 – Bremsfaden
4 – Antriebsfaden
5 – Knopf für die Bremsfadenspannung
6 – Feder
7 – Spule
8 – Spinnflügel


Der Wirtel kann aber auch wie in Abb. B zu erkennen auf dem hinteren Ende der Spinnflügelachse sitzen.

Auf diese Weise sind auch viele zweifädige Spinnräder schon vom Hersteller aus mit der Option eines einfädigen Betriebes mit Spulenbremse ausgerüstet oder lassen sich mit wenig Aufwand dazu nachrüsten.

Wie funktioniert dieses System?

Eigentlich genauso wie das mit Flügelbremse, nur genau „umgekehrt“ Der Spinnflügel wird angetrieben und die Spule (durch den Spinnfaden mit diesem verbunden) nachgeschleppt. Durch Anziehen des Bremsfadens wird die Spule langsamer als der Spinnflügel und der Spinnfaden wird aufgewickelt.

Auch hier gilt, je stärker ich die Bremse anziehe, desto stärker ist der Einzug und auch hier sollte man (zumindest der Spinnfänger) seine Spinnradeinstellung mit gelöster Bremse starten, die dann langsam und gefühlvoll angezogen wird, bis der erwünschte Einzug erreicht ist.

Beim Spinnen sollte die Feder eigentlich so gut wie gar nicht ausgelenkt sein und nur, wenn man den Faden festhält, sollte sich die Feder merklich dehnen. Ist die Feder auch im Normalzustand stark ausgelenkt, ist die Bremsspannung i.R. zu stark eingestellt.

Anmerkungen:

Da bei diesem System mit der Spule die leichtere (und somit weniger träge) Komponente nachgeschleppt wird und auch die Spulenlager weniger beansprucht sind als die Spinnflügellager (-> weniger Reibungsverluste) lässt sich dieses System gerade im Bereich eines gegen Null gehenden Einzuges besser einstellen und betreiben als ein Spinnrad mit Flügelbremse, was einem Vorteile beim Spinnen von feinen und/oder stark gedrehten Garnen sowie bei sehr kurzen und feinen Fasern bringt.

Da aber auch gleichermaßen durch ein starkes Anziehen der Bremse ein sehr starker Einzug erreicht werden kann, verfügt dieses System über eine sehr große Bandbreite in der Einzugseinstellung und lässt sich auch dementsprechend gut und vielseitig einsetzen.

Führung des Bremsfadens – Spiralfedern im Bremssystem

Um die Führung des Bremsfadens noch einmal genauer zu zeigen, ist in Abb. C diese mit Blick von hinten auf die Spinnflügeleinheit dargestellt.

 Dabei fällt auf, dass sich zwei Federn an/zwischen dem Bremsfaden befinden. Dies gehört nicht zum normalen Standart aller Spinnräder. Es wird nämlich immer nur eine davon beim Betrieb benötigt. Welche davon nun in Einsatz kommt (ausgelenkt, gedehnt wird), hängt davon ab, wie herum sich das Spinnrad gerade dreht.

Ist nur eine Feder vorhanden, sitzt diese von vorne gesehen auf der linken Seite (in Abb. C, seitenverkehrt auf der rechten), weil man davon ausgeht, dass das Spinnrad in den meisten Fällen im Uhrzeigersinn betrieben wird.

Um das Spinnrad auch ohne Probleme links herum betreiben zu können – z.B. zum Zwirnen oder so linksherum gedrehtes Garn herzustellen – sollte man diese Spinnräder auch mit einer zweiten Feder ausrüsten oder müsste jedes Mal den Platz der vorhandenen einzelnen Feder wechseln.

AutorIn: Dagmar Gaber