Handspinngilde e.V. Handspinngilde e.V.

Spinnräder mit Flügelbremse

Wie man in der Skizze sehen kann, treibt hier der einfach genommene Antriebsriemen die Spule an. Der Spinnflügel selbst hat keinen eigenen Antrieb.

Ein paar Beispiele für Spinnräder mit diesem System:

die meisten Louet (außer dem S 45) (a), das Modern (a), Tom (a), Kelly (a), Merino (c), Spinnräder von Henkys, Stern (a), Delft (a), Moswolt (c), Traub-Spinnrad (b) …


1 – Verstellknopf oder -schraube
2a – Bremsriemen 
2b – Bremsschnur
3 – Spinnöffnung

4 – Spinnflügel
5 – Spule
6 – Spulenscheibe
7 – Antriebsriemen


Wie funktioniert aber nun das Ganze?

Nehmen wir dazu einmal an, der Spinnflügel würde total feststehen und sich überhaupt nicht mitdrehen. Was würde passieren?

Der Faden würde nur aufgespult, aber gar nicht verdreht werden.

Nehmen wir dagegen das andere Extrem an, dass sich der Spinnflügel mit der gleichen Geschwindigkeit drehen würde, wie die Spule:

Dies würde zur Folge haben, dass dem Spinnfaden wunderbar Drehung zugefügt würde, er aber überhaupt nicht aufgespult, d.h. eingezogen werden würde.

Fazit:
Wenn wir damit spinnen wollen, müssen wir uns also irgendwo in dem Bereich zwischen diesen beiden Extremen befinden, der Spinnflügel sollte sich also langsamer drehen als die Spule und damit dieser Zustand geregelt werden kann, findet man eine einstellbare (Flügel-) Bremse an dieser Art von Rädern.

Würden wir diese nun total fest anziehen, hätten wir genau Extrem Nr. 1 – der Spinnflügel würde sich gar nicht mitdrehen. Okay, das wollen wir aber nicht, weil ohne zugefügte Drehung würde ja gar kein Faden aus den losen Fasern entstehen können.

Also muss die Bremse etwas gelöst werden …

Aber nein, das ist keine gute Vorgehensweise … einer der häufigsten Anfängerfehler beim Spinnen ist, mit zu fest eingestellter Bremse loszulegen. Also macht es Sinn, die Erklärung und jede Art von Spinnversuchen bei einer total gelösten Bremse zu starten.

Bevor wir die Bremse nun (gedanklich) anziehen, noch ein paar Worte zu diesem Zustand:

Es ist jetzt nicht zu erwarten, dass nun der Faden überhaupt nicht mehr eingezogen wird (d.h. Spule und Flügel sich unbeschwert mit gleicher Geschwindigkeit drehen). Das liegt daran, dass es solche „Phänomene“ wie Reibung und Trägheit gibt. Das Spinnrad wird also trotz völlig gelöster Bremse ein gewisses Maß an Einzug haben.

Wenn wir nun die Bremse langsam (vorsichtig) weiter anziehen, wird man sofort spüren, wie der Spinnfaden stärker eingezogen wird (der Zug am Faden stärker wird).

Jetzt ist es die Kunst, die Bremse so einzustellen, dass der Faden
nicht zu schnell eingezogen wird, d.h. zu wenig Drehung erhält (nicht das gewünschte Maß oder sogar der Faden aus Mangel an Drehung reißt) oder gar der Spinnfaden einem aus der Hand gerissen wird. Aber andererseits auch genügend stark eingezogen wird, so dass er nicht überdreht wird.

Aber warum dreht sich überhaupt der Spinnflügel …?
… er hat doch gar keinen eigenen Antrieb?

Spinnflügel und Spule sind durch den Spinnfaden verbunden. Wenn wir diesen gedanklich von der Spule aus zurückverfolgen, verläuft er von dieser kommend über die Häkchen des Spinnflügels, durch die Spinnöffnung zu den Händen des Spinners.

Dieses kleine Stückchen Faden zwischen dem letzten Häckchen und den Wicklungen auf der Spule schleppt den ganzen Spinnflügel mit.

AutorIn: Dagmar Gaber