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Schafwolle

Die Wunder der Wolle

(Text aus einer sehr alten Nicole-Zeitung, aber immer noch hochaktuell)

Reine Schurwolle ist ein Stück unverfälschter Natur, dem menschlichen Haar verwandt. Sie ist von Urbeginn als Kleid gedacht, über Jahrtausende erprobt, sie ist das Natürliche, das Echte, das Ursprüngliche. Aber ein Wunder? Oder gleich sieben Wunder? Sehen wir uns das mal an!

Die Wolle lebt. Mit all den Supereigenschaften, die die Natur bietet. Und das bekanntermaßen seit 7000 Jahren, denn schon im Steinzeit-China, im alten Ägypten waren Wollfilze ein Begriff. In der Antike handelten Babylon, Ninive und Milet mit diesem wertvollen Produkt. Die Griechen schätzten Wollkleidung sehr hoch, wie die Archäologen uns bestätigen; Römer importierten die Schafzucht Kleinasien: Aber erst im l4.Jahrhundert ging der Wollboom mit Züchtung der Merinos in Spanien richtig los. Womit wir bei den Wollespendern wären, und die sind rundum phänomenal.

In Australien finden Schafe auf kargen Weideflächen unter sengender Sonne ihr Auskommen— und schwitzen nicht. In Deutschland stehen sie auf nasskalten Marschwiesen — und fühlen sich trotzdem wohl in ihrer Haut. Weil Schaf nicht gleich Schaf ist und Wolle nicht gleich Wolle, hier ein kurzer Überblick:

Merinos, Marke extrafein, die noblen unter den Schafen, leben in Australien und Südafrika. Die stark gekräuselte „Haarpracht“ bildet lebenswichtige isolierende Luftpolster. Später werden daraus die extraleichten Stoffe, die modische Oberbekleidung, die feinen Maschenmodelle hergestellt. Die Kreuzzuchtschafe (Crossbreds weltweit genannt), Marke unverwüstlich, sind die sportlichen unter den Wolllieferanten. Die „Haare“ sind nicht so kraus, dafür aber länger – Vorteile, die sich bei der Fertigung von Teppichen, rustikalen Handstrickgarnen, deftigen Tweeds als besonders günstig erweisen.

Die ganz jungen Schafe, zum erstenmal geschoren, liefern das zarte Lambswool-Material mit allerfeinsten Haarspitzen.

Und da haben wir ein ganz wichtiges Stichwort: Reine Schurwolle wird nämlich vom lebenden Schaf geschoren. Das geschieht selbst heute in unserer hochtechnisierten Zeit immer noch in Handarbeit, allerdings mit Hilfe einer elektrischen Schermaschine. Die Schur wäre sonst ‘ne Schur – eine Plage (und jetzt wissen Sie, woher dieses geflügelte Wort stammt). Zweimal jährlich wird geschoren, jeder Profi schafft ca. 300 Schafe am Tag. Das Vlies, das zusammenhängende Haarkleid wird zur Weiterverarbeitung zerteilt und schonend gewaschen: Reverenz an einen der kostbarsten Rohstoffe der Natur — Reine Schurwolle. Strenge Gesetze gelten für diesen Begriff. Reine Schurwolle, vom lebenden Schaf geschoren, muss den Endverbraucher auf direktem Weg erreichen. Bereits einmal verarbeitete und durch Recycling zurückgewonnene Wolle darf das Etikett Reine Schurwolle nicht mehr tragen. Nur für Reine Schurwolle gilt das Wollsiegel, eine Gütegarantie für das Natürliche, das Ursprüngliche, das Allerbeste kurzum. Und das Komfortable. Davon erfahren Sie mehr beim zweiten Wunder.

Reine Schurwolle mit der Wollsiegelgarantie steht wie kein anderes Material für angenehme Behaglichkeit. Lassen Sie sich erklären, warum:

Schurwolle isoliert. Die von Natur aus stark gekräuselte Schurwolle schließt reichlich Luft ein. Luft ist ein schlechter Wärmeleiter — somit hält Schurwolle extreme Kälte oder Hitze vom Körper fern, eine Fähigkeit, die sich der Nordafrikaner im Burnus und die Alpenschöne mit dem Loden seit eh und je zunutze machen.

Schurwolle ist elastisch. Sie können die Faser dehnen bis zu 30%, knautschen und knicken. Sie springt bei darauf folgender Entspannung wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück. Das heißt natürlich auch, daß Sie sich selbst bei starker Bewegung, zum Beispiel beim Sport, in Reiner Schurwollewohlfühlen und nachher nicht ausgebeulte Knie befürchten müssen! Für alle, die ihre Kleidung stark beanspruchen, gibt es nichts Besseres als Reine Schurwolle.

Schurwolle ist feuchtigkeitsregulierend, das heißt, sie kann Feuchtigkeit aufnehmen und im Faserinnern speichern. Bis zu 33% ihres Eigengewichts. Bei Trockenheit gibt sie die Feuchtigkeit wieder ab. Das macht sich nicht nur bei Ihren Socken bemerkbar, sondern auch beim Schurwollteppichboden, der das Raumklima wesentlich verbessern kann. Haben Sie sich schon einmal das Vergnügen gegönnt, ganz langsam, ganz bewusst mit nackten Füßen über einen Schurwollteppich zu gehen, mit jedem Muskel, jedem Nerv das Naturmaterial zu erfühlen? Es gibt kluge Menschen, die abends mit dieser kleinen Wolltherapie den Tagesstress abreagieren.

Natürlich ranken sich um ein Nobelmaterial eine Menge weiser Sprüche. So setzt „warm in der Wolle sitzen“ die Wolle mit Wohlstand gleich, denn es besagt „in gesicherten Verhältnissen leben“. Apropos sitzen: Noch heute sitzt der englische Lordkanzler im Oberhaus auf einem Sack, prallgefüllt mit Wollen aus den D­minions. Diesen Wollsack hatte Königin Elizabeth 1. vor 400 Jahren eingeführt, um sinnfällig zu demonstrieren, daß Englands Wirtschaft auf Wolle weich gebettet war. Der Lordkanzler sitzt bestimmt bequem darauf. Wenn auch nicht wollsiegelsicher. Denn das Gütezeichen gilt erst seit 1964 für Reine Schurwolle auf Herz und Nieren geprüft. Achten Sie bei Mode, Teppichen und Accessoires auf den stilisierten Wollknäuel. Denn damit kauf an Sie neben dem äußeren Komfort auch innere Ruhe, Sicherheit und ein Stück Kultur, wenn man die Psychologen etwas frei interpretieren darf. Aber denken Sie selbst einmal ganz spontan an Wolle. Fällt Ihnen da nicht gleich ein Gutsbesitzer im Tweedsakko oder ein Bankier im Nadelstreifenanzug ein? Sie alle schätzen eine Eigenschaft die wir zu unserem dritten Wollwunder erklären — die Qualität.

Schurwolle war von jeher eng verbunden mit Qualitätsdenken. Schon Karl der Große zog saisonunabhängig die handfeste Wolle dem kühlen Luxus von Seide und Brokat vor. Aber erst vor 20 Jahren wurde der Wolle ein offizieller Qualitätsstempel aufgedrückt, das Wollsiegel. Der Entwurf dazu stammt übrigens von einem Mailänder Art Director, Francesco Saroglia. Wobei dieser sicher mehr an die formale Schönheit des Emblems dachte, als an all die Qualitätsansprüche, die damit verbunden sind. Wie die Wollsiegel-Qualität garantiert werden kann, erklärt Horst Haarer, Direktor des Internationalen Woll-Sekretariats für Deutschland, Österreich und die Schweiz, im Gespräch mit Ingrid Vogelgsang, Chefredakteurin von BURDA international:

HH: Das Wollsiegel als Gütezeichen wird an Lizenznehmer kostenlos verliehen, deren Produkte bestimmte Anforderungen erfüllen. Die Wollverarbeiter verpflichten sich, ihre Artikel jederzeit von uns oder bei uns prüfen zu lassen. Zum Kreis unserer Lizenznehmer gehören übrigens auch Waschmittel- und Waschmaschinen-Hersteller.

1V: Wie und wo wird getestet?

HH: Vor der Vergabe der Lizenzen prüft unser Labor in Düsseldorf das Produkt nach Strich und Faden. Zuerst einmal, ob es überhaupt aus Reiner Schurwolle ist, nicht etwa aus Mischungen oder aus geschädigter (Beiß-)Wolle. Dann auf die Strapazierfähigkeit (Reiß- und Scheuerfestigkeit). Schließlich müssen wir garantieren, daß Ihre Hose oder der Möbelbezug die tagtägliche Beanspruchung gut überstehen. Dann die Wasser- und Lichtechtheit. Ein Pullover darf nicht beim Waschen seine Farbe verlieren, ein ‘Stoff nicht ausbleichen, wo. die. Sonne drauffällt. Dann die Filzfreiheit von Produkten mit dem Zusatz „waschmaschinenfest“: Bei sachgemäßer Behandlung dürfen Wollwaren nicht einlaufen. Und vieles mehr.

1V: Nun kann ja ein ganz Schlauer einen speziellen Artikel zum Prüfen geben, andere aber im Markt unterbringen.

HH: Das könnte sein, kommt aber in der Praxis kaum vor. Wir haben zuverlässige Partner und wir kontrollieren ständig. Die IWS-Produkttechnologen lassen sich Meterware direkt vom Webstuhl, Modelle direkt von der Nähmaschine geben, sie tätigen anonyme Testkäufe im Handel, sie spüren jedem Verdacht nach. Kaum ein Partner möchte den Lizenzentzug riskieren, er verhält sich also entsprechend korrekt.

IV: Das Inland ist ja gewiss recht transparent, aber wie steht .es mit dem Ausland, Übersee, Fernost?

HH: Sie wissen sicher, daß das Wollsiegel weltweit geschützt ist, also auch weltweit Qualität garantiert. Ein Wollsiegel-Pullover aus Hongkong unterliegt den Richtlinien ebenso wie ein Wollsiegel-Kostüm in Hamburg.

IV: Wissen das die Verbraucher?

HH: Ja! Es hat uns selbst überrascht, welchen Bekanntheitsgrad das Wollsiegel schon kurze Zeit nach seiner Einführung hatte. Heute liegt es gleichauf mit dem Mercedes-Stern und der Coca-Cola-Flasche.

IV: Sind die Verbraucher geneigt, für Wollsiegel-Artikel etwas mehr anzulegen als für „No-name“-Ware?

HH: Wir bemühen uns, ihnen zu erklären, daß beste Qualität auch ihren Preis hat. Und sie akzeptieren das. Was Sie vielleicht noch nicht wissen:

IWS-Aktivitäten werden nicht über den Verbraucherpreis finanziert, sondern allein aus den Töpfen der Schaffarmer in Australien, Neuseeland, Südafrika und Uruguay.

IV: Was erwartet der Käufer aber nun außer dieser Qualitätsgarantie von Wollsiegel-Produkten?

HH: Schönheit. Eleganz. Perfektes Aussehen.

IV: Und damit wären wir beim nächsten Wunder.

Die unverfälschte Natur hat einen ästhetischen Reiz, der kaum je von Kunstprodukten erreicht wird. Mit Natur verbindet sich der Begriff Schönheit aufs engste. Denken Sie nur an die unzähligen Farben, die warmen Colorits, die in Reiner Schurwolle so fantastisch zur Geltung kommen. Da gibt es nichts Grelles, keine Misstöne, jede Nuance ist harmonisch. Chemiker sprechen von einer hohen Affinität der Farbstoffe gegenüber der Wolle, die zu einer dauerhaften Verkettung der Moleküle führt. Die Brechung des Lichts an der Faseroberfläche erzielt einen matten Glanz, charakteristisch für alle hochwertigen Schurwollprodukte. Kein Wunder, daß sich dieser wunderbaren Sache auch Künstler annehmen. So schuf Miro zum Beispiel für das World Trade Center in New York einen riesigen Teppich, den wir Ihnen auf dem großen Foto präsentieren.

Und die Mode führt mit ihren Wollsiegel-Modellen dazu, daß sich die Frauen hübsch machen, wohl fühlen. In Wollsiegel-Stoffen kommt die fließende Linie der aktuellen Silhouetten hervorragend zur Geltung. Achten Sie beim Kauf Ihrer Garderobe also auf das Qualitätssymbol, auf das Wollsiegel. Es ist der solide Hintergrund für Farbe und Fantasie, es ist der Garant der Schönheit.

Wie leicht es ist, diese Schönheit zu erhalten, das sollte Sie in jeder Hinsicht überzeugen. Auch hier spielen die Supereigenschaften der Reinen Schurwolle den Hauptpart. Schurwolle schmutzt nämlich sehr schwer an. Die geringe elektrostatische Aufladung, die die Staubkörnchen nicht anzieht und nicht festhält, sorgt dafür. Und hier ein Paradox: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß die Faser trotz ihrer Schuppenschicht zu den glattesten gehört. Messungen der Reibung haben für die Wolle Werte ergeben, die weit unter denen der Seide liegen! Und dort, wo der Schmutz nicht fasertief eindringt, ist er natürlich leicht loszuwerden. Manchmal reicht schon Ausklopfen und Ausbürsten, damit sich das bewundernswerte Aussehen wieder herstellt. Ein Luftbad auf dem Balkon oder im Bad glättet darüber hinaus die Falten Ihres Wollsiegel-Modells eine kurze Erholpause präpariert für neuen Einsatz. Die Generalüberholung erlebt das gute Stück dann bei der Feinwäsche oder in der Chemischreinigung, je nach Etikettempfehlung. Zum Schluss ein Satz aus unserem Zitatenschatz: „In der Wolle eingefärbt sein“ bedeutet „ganz überzeugt sein von etwas“. Diese Paraphrase stammt aus dem letzten Jahrhundert, als die Wollweber, die sich in punkto Qualität absetzen wollten, ihre Materialien bereits in der Flocke färben ließen und sie dann weiterverarbeiteten, anstatt die fertigen Tuche zum Färben zu bringen. Ihr Verfahren lieferte ein besonders hochwertiges, farbschönes Tuch, das die anspruchsvollen Kunden überzeugte.

Es wäre sicher mit dem Wollsiegel ausgezeichnet worden, hätte dieses schon existiert. Schönheit mit Brief und Siegel — auch das ist typisch für Reine Schurwolle.

Image und Prestige, die daraus resultieren, sind wichtige Komponenten in der heutigen Erfolgswelt. Dabei entscheidet nicht nur die technische Überlegenheit, sondern vielmehr die Aura, das gewisse Etwas, das ein Produkt ausströmt. Image und Prestige der Wollsiegel-Artikel sind hoch angesiedelt — das bestätigt die Marktforschung jeden Tag aufs neue.

Aber was nützen Schönheit und Eleganz allein. Der Mensch braucht primär Schutz, bei uns bereits Wunder Nummer fünf.

Unsere Welt lebt schnell, lebt gefährlich. Das Wollsiegel setzt dabei voll auf Sicherheit.

Denken Sie zum Beispiel an die Feuergefahr und an das Verhalten der Schurwolle. Schurwolle ist schwer entflammbar. Sie entzündet erst bei 560 Grad Celsius, und nach Entfernen der Flammenquelle erlischt das Feuer meist von selbst. Da Schurwolle, im Gegensatz zu anderen, chemischen Fasern, beim Brennen nicht schmilzt, ist sie goldrichtig für die Schutzanzüge der Feuerwehr und der Männer am Hochofen, ideal zum Auslegen von Fluchtwegen, zur sicheren Ausstattung moderner Aufenthaltsräume und Verkehrsmittel. Chemiker sagen dazu: Neben der Feuchtigkeit sorgt der hohe Stickstoffgehalt in der Wollfaser für die Schwerentflammbarkeit.

Der simpelste Schutz ist der vor Wetterunbill. Der Schutz vor dem Regen zum Beispiel. Nässe perlt an Reiner Schurwolle ab, da die Schuppenschicht der Faser von einer hauchdünnen Haut umspannt ist, die verhindert, daß Wassertropfen von der Faser aufgesogen werden. Man nennt diese Schutzeigenschaft der Schurwolle hydrophob.

Optimalen Schutz bieten auch Filze und gewalkte Stoffe. Sie alle kennen den Trachtenjanker, den Lodenmantel, die Filzpantoffel. Das Filzvermögen der Schurwolle ist eine ihrer frappierendsten Eigenschaften.

Schiebt und reibt man Wollfasern unter Einwirkung von 60 Grad warmem Wasser gegeneinander, verhaken sich die Schuppen der Außenschicht. Eine dauerhafte Sache— und eine, die sich manchmal unerwünscht einstellt! Wollsiegel-Produkte sind deshalb einer Antifilzbehandlung unterzogen, wenn der Effekt ausbleiben soll. Sie erkennen diese spezialbehandelten Artikel an dem Zusatz „waschmaschinenfest“ beim Wollsiegel.

Manchmal wird das Gütezeichen sogar von der Kripo zur Fahndung eingesetzt. Wollsiegel-Etiketten weisen eine Code-Nummer auf, mit deren Hilfe der Weg bis zum Hersteller und Händler verfolgt werden kann. Sehen Sie auf der letzten Seite nach, wie die Etiketten im Detail aussehen.

Wenn das Schutzbedürfnis der Menschen so groß ist, wie wir annehmen, obwohl es meist im Unbewussten verborgen bleibt, dann ist auch der Wert der Wolle mit immer neuen Augen zu sehen. Die Wolle als Schutzschild, das gab’s schon zu römischen Kriegszeiten, als sich der Legionär mit einem dicken Filzpanzer seiner Haut wehrte. Die Wolle als Schutzschild hat auch in der Gegenwart enorme Bedeutung. Dr. Ernest Dichter ‚ „Vater“ der Motivforschung, sagt dazu in seinem „Handbuch der Kaufmotive“ (erschienen im Econ-Verlag, Wien und Düsseldorf): Von allen Materialien, die wir im Verlaufe unserer Untersuchungen getestet haben, ist die Wolle am besten geeignet, innere Stärke und Lebenskraft vorzugeben, an der alle Widerwärtigkeiten des Lebens wirkungslos abprallen. Der Verbraucher sieht die Wolle als Schutzwall, der dem persönlichen Lebensbereich vorgeschaltet ist und es häufig erst möglich macht, daß sich intime Dinge ereignen. „Ich habe es noch nie erlebt, daß Wolle diese Funktion nicht erfüllt hätte. „Man arrangiere eine Schlittenfahrt für ein junges Pärchen, es ist kalt und beide kuscheln sich in die — gemeinsame — Wolldecke, es wird selten bei der Schlittenfahrt bleiben.“ Wolle gilt als stark und schützend—Eigenschaften, die die Gesellschaft traditionsgemäß mit dem Mann, dem Beschützer, verbindet.

Vom Schutz ist dann nur noch ein kleiner Schritt zu einem weiteren Wunder der Wolle — der Gesundheit.

Ein wichtiges Gut des Menschen, ein kostbares, ein begehrenswertes, —die Gesundheit — erhalten Sie sich‘s auch durch Ihre Treue zur Schurwolle‘ zu hochwertigen Produkten mit Wollsiegel-Auszeichnung.

Hier möchten wir nochmals Karl den Großen bemühen: Er trug sommers wie winters seine langwallenden Mäntel aus friesischer Schurwolle. Damals zwar noch nicht Wollsiegelgeprüft, aber sicher das Beste vom Besten. Mit Samt und Seide und den kurzen Mäntelchen der neuesten Mode aus Aquitanien vermochte er sich nicht anzufreunden. So zitierte ihn sein St. Gallener Chronist: »Wozu sind diese Lappen gut? Im Bett kann ich mich nicht mit ihnen zudecken, zu Pferde schützen sie mich nicht gegen Wind und Regen, und wenn mich ein natürliches Bedürfnis ankommt, verfrieren mir die Beine!

Karl der Große wusste also bereits die Schurwolle als Temperatur-Regulativ zu schätzen. Aber auch Babys reagieren ausgesprochen positiv auf dieses Naturprodukt. Sie gedeihen prächtig auf Schaffellen! Für alle, die dem Strampelalter längst entwachsen sind, bedeutet Wolle tragen eine Chance mehr, gesund zu bleiben.

Völker, die sich ihre Naturverbundenheit, ihren Glauben an die Naturkräfte stärker bewahrt haben als wir, legen bei rheumatischen Beschwerden und Gelenkerkrankungen Wolle auf. Erholsame Schlafstunden garantieren Unterbetten und Einziehdecken aus Schurwolle. Lindernde und sogar heilende Wirkung wird der Wolle zugesprochen, das bestätigen auch anthroposophische Ärzte. Dass das Wollfett Lanolin Basisstoff für Schönheitscremes und Salben ist, erklärt sich aus diesen Eigenschaften.

Was sagt nun ein Wollforscher zum Woll-Boom? Wir befragten H. Zahn, Professor der Textilchemie und Makromolekularen Chemie, Direktor des Deutschen Wollforschungsinstitutes an der TH Aachen.

„Die Zusammensetzung aus sehr vielen verschiedenen Komponenten in einer höchst sinnvollen Hierarchie ist der Grund, warum wir uns in Wollkleidung sowohl fühlen. Baumwolle ist auch eine Naturfaser, aber eine Pflanzenfaser mit einer viel einfacheren Struktur und ohne die natürliche und stabile Kräuselung, welche die feine Wollfaser auszeichnet. Die reine Wärmeisolierung kann auch mit anderen Fasern bei geeigneter textiler Konstruktion erreicht werden. Wolle ist aber mehr, nicht nur ein Thermostat, sondern auch ein Hygrostat, ein Material, welches den Feuchtigkeitsgehalt der Hautoberfläche reguliert und beträchtliche Mengen Wasserdampf von der Haut aufnehmen kann, ohne sich feucht anzufühlen.

Weitgehend unbekannt ist eine weitere wichtige Eigenschaft der Wolle, die sie mit vielen Proteinen teilt, nämlich die enorme Kapazität, Säuren, Basen und andere Chemikalien zu binden und zu neutralisieren. Dies ist auch der Grund für die Erfahrungstatsache, daß Wollsocken und Wollstrümpfe länger getragen werden können, weil sie die mit dem Schweiß gebildeten Säuren in sich aufnehmen und unschädlich machen. Wolle bietet eine Art Umweltschutz gegen innere und äußere Schadstoffe, Schweiß von innen und Schwefeldioxyd von außen.“

Mit dem Wollsiegel ausgezeichnete Produkte erfüllen alle Ansprüche, kommen den geheimsten Wünschen entgegen. Reine Schurwolle zählt zu den raffiniertesten Verführern. Nicht zuletzt ein Erfolg des siebten Wunders der Wolle.

Zugegeben, es ist ein wenig übertrieben, die Mode als Wunder zu bezeichnen, aber sie ist Aushängeschild eines Naturproduktes, das aus der Gegenwart nicht wegzudenken ist. Sie ist der lnnovationsmotor für viele Lebensbereiche. Mode macht Spaß, erhöht die Lebensfreude, steigert die Lebensqualität — und so schließt sich der Kreis der Wunder. Mode erhöht das Selbstbewusstsein, Wollsiegel-Mode macht sicher. Das taktile Erlebnis, die positive Anmutung beim Tragen, eine bestimmte sexuelle Attraktivität, das alles vermittelt Ihnen die Schurwolle. Schurwollmode ist Schönheit und Qualität aus erster Hand, spürbar, hautnah erlebbar. Achten Sie aufs Etikett oder vielmehr auf die Etiketten, damit Sie Ihrer Sache sicher sein können. Reine Schurwolle, garantiert durch das Wollsiegel — diese Bezeichnung muss fest mit dem Produkt verbunden, also eingenäht sein bei Modemodellen.

Aufgestempelt ist das Gütezeichen zum Beispiel bei Strümpfen und Socken, bei Auslegeteppichen. Bei der Meterware wird ein Maßband mit eingerollt, auf dem sich Gütesiegel und Materialnennung wiederholen. In der Damenoberbekleidung und der Herrenkonfektion sind Angaben über Futterstoff und Pflege Bedingungen des Textilkennzeichnungsgesetzes. Das Wollsiegel hält auch hierfür Etiketten bereit. Die Codenummer identifiziert jedes Kleidungsstück, das den Hersteller nicht durch ein eingenähtes Namensschild ausweist. Bitte betrachten Sie den wie aus breiten Bändern geformten Wollknäuel ganz besonders intensiv. Das Combi-Wollsiegel steht für die Mischung von Schurwolle und Fremdfasern (der Schurwollanteil muss mindestens 60% betragen). Beide, Wollsiegel und Combi-Wollsiegel, sind vom RAL-Normenausschuss offiziell als Gütezeichen anerkannt.

Warum wir Ihnen so ausführlich über Wolle und Wollsiegel berichten? Anlass ist ein runder Geburtstag: Das Wollsiegel wird 20 Jahre alt. Im Herbst 1964 präsentierten es Mitglieder des Internationalen Woll-Sekretariats, der Organisation, die hinter dem Wollsiegel steht, in Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich, Großbritannien, Italien und den Niederlanden. Als Qualitätssymbol für Textilien aus Reiner Schurwolle. Eine Marke war geboren – die Folgen damals noch unvorstellbar. Heute, 20 Jahre danach, verwenden über 5 500 Firmen weltweit – das Gütezeichen. Wir finden, das ist ein stolzer Erfolg. Ein Erfolg, an dem auch Sie teilhaben können. Oder doch ein Wunder?

Herzlichen Glückwunsch, Wollsiegel !