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Mohair

Ziegen haben einen eigenen Charakter, sie sind keinesfalls brav oder gar unterwürfig. Haben sie sich etwas in den Kopf gesetzt, dann führen sie es durch. Das kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Das beginnt bei der Einzäunung der Weide, beim Fressen und Anknabbern von ALLEM, dagegen aber sehr näschig beim angebotenen Futter. Wie halt alle Ziegen. Sie sind lustig und frech. Entweder man mag sie, oder man gibt sie wieder ab.

Text und Photos: Silvia Heim

Ich finde die Faser toll, weil sie so einen wunderbar seidigen Glanz haben. Verarbeiten lassen sie sich im Prinzip genauso wie Wolle. Ziegen haben kein Fett in der “Wolle” und deshalb haben die Haare keine solchen Zusammenhalt wie Schafwolle, was einem Spinnanfänger vielleicht am Anfang etwas irritiert. Es sind halt Haare… Einen Schal, den ich aus einem Faden reines Kidmohair, gezwirnt mit einem Faden Tussahseide, gestrickt habe, wird so nach und nach immer länger. Bei einem großen Dreieckstuch mit vielen plastischen Mustern oder bei Handschuhen aus reinem Mohair, fällt es dagegen nicht so auf. Pullis oder Mäntel habe ich daraus noch nicht gemacht. Würde ich auch eher mit Wolle mischen.

Ich habe auch noch nicht sooo wahnsinnig viel Mohair verarbeitet, da ich ja auch noch verschiedene Schafe habe und die Wolle mehr oder weniger nur für uns verarbeite. Unsere Viecher gehören zur Familie und ich züchte sie auch nicht.

Ich habe festgestellt das Mohair fast alles mit sich machen lässt. Du kannst es aus den Locken verspinnen, aus dem Vlies, aus dem Kammzug.

Wenn du nun aber ein Vlies hast:
Mit viel Drall bekommst du einen sehr festen und notfalls auch sehr dünnen Faden hin. Du hast dann weniger den “Flausch” Effekt sondern eher ein schönes glänzendes relativ leichtes Garn. Du kannst aber auch einen dicken Faden mit viel Drall spinnen oder Flamme-Garn usw.

Wenn du nach dem Stricken dann den typischen Mohair Effekt mit den abgestellten Härchen haben willst: Mit einer kräftigen Bürste gut aufrauen. Je aufgerauter umso wärmer!

Wenn du mit wenig Drall spinnst bekommst du einen weichen “Fluff” Effekt der dann auch recht warm wird. Hier musst du mit dem Aufrauen vorsichtiger sein da das Garn VIEL weicher ist!! und demnach natürlich auch anfälliger für reißen etc. Du kannst Mohair als Dochtgarn verwenden (wenig Drall) oder es verzwirnen (darf auch etwas mehr Drall haben). Wie warm das wird kannst du testen indem du dir einen kleinen Pulswärmer strickst.

Wenn es zu warm wird habe ich wunderbare Erfahrung damit gemacht Mohair mit Seide zu verzwirnen! Die Seide wirkt da etwas kühlend! Außerdem passen beide Fasern gut zueinander. Wenn es immer noch zu warm wird kann man auch noch ein Bändchengarn beistricken.

Aus dem Kammzug geht es eigentlich genauso gut wie aus dem Vlies. Hier ist es aber (finde ich!) bedeutend leichter ein dünnes glattes Garn zu erzielen da die Fasern schon in eine Richtung liegen. Am einfachsten geht es wenn man den Kammzug vor dem Spinnen der Länge nach in mehrere Teile teilt (ich habe beim üblichen Kammzug eine gute Erfahrung mit 4 Teilen gemacht). Da die Fasern in die gleiche Richtung gekämmt werden geht die Tendenz eher zum nicht so fluffigen, glatten Garn. Aufrauen geht aber hier hinterher natürlich auch.

Noch eine kleine Anmerkung für “Normalwolle Spinner” – Mohair hat ziemlich lange Fasern (im Vergleich zu normaler Wolle) und diese halten nicht ganz so gut zusammen wie Normalwolle. Daher beim Spinnen etwas aufpassen das es nicht zu schnell ins Einzugloch rutscht.

Wenn man Mohair mit Seide oder Ramie zusammen kardiert und nicht hinterher zwirnt muss man auf unterschiedliche Einzugsgeschwindigkeiten achten wenn es beim kardieren nicht wirklich gründlichst gemischt wurde. Bei Wolle/ Mohair habe ich das noch nicht beobachtet.

AutorIn: Anja Berger