Handspinngilde e.V.

Spindelschaft

Hierzu bieten sich Rundhölzer aus dem Baumarkt an, wo es sie in vielen unterschiedlichen Stärken gibt. Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, dass das Rundholz möglichst gerade und nicht krumm und verzogen ist. Damit dies später auch nicht geschieht, sollten die Rundhölzer auch zuhause auf einer ebenen Fläche nebeneinander, gerade und in ganzer Länge aufliegend gelagert werden (und nicht stehend oder kreuz und quer herumfliegend).

Die Schaftdicke

Für einen Allround-Spindelschaft haben sich Rundhölzer mit 8mm Durchmesser bewährt (für die CD-Spindel ist dieser ein MUSS). Für leichte Spindeln und entsprechend kleine Wirtel kann man den Durchmesser reduzieren. Dicker als 8 mm ist nicht unbedingt empfehlenswert, insbesondere, wenn man daraus eine Spindel ohne Haken bauen möchte.

Die Schaftlänge

Richtig feste Maße zu geben ist wirklich schwer. Zum einen sollte der Schaft lang genug sein, so dass sich genügend gesponnenes Garn darauf aufwickeln lässt und darunter oder darüber auch noch ein genügend langes Schaftstück hervorschaut, an dem man die Spindel anschubsen kann. Möchte man bei einer Hochwirtel-Spindel (engl. Top Whorl) auch die Technik des Beinabrollens benützen, braucht die Spindel etwas mehr freie Schaftlänge. Dafür lassen sich Spindeln mit kürzeren Schäften besser verstauen und bei (über-) langen Spindelschäften, kann unter Umständen die ganze Spindel schnell anfangen unruhig und eiernd zu laufen auch wenn die Spindel ansonsten gut ausgewuchtet ist.

Für CD-Spindeln und die größeren Kreuz- oder Holzradspindeln sind 30 bis 25 cm Schaftlänge sehr brauchbar, aber es geht auch kürzer. Bei kleineren und leichteren Spindeln wird der Schaft entsprechend kürzer gewählt.

Genaue Empfehlungen sind schwierig – Ausprobieren ist angesagt (und denkt dran, absägen geht besser als „ankleben“, deshalb eher mit einem etwas längeren Schaft die Tests beginnen).

Die Schaftspitzen

Jetzt wird es interessant und auch hier gilt es, eigene Vorlieben herauszufinden:

Der eine Handspindler mag überhaupt nicht ohne Haken, der nächste liebt seine Tiefwirtel-Spindel (engl. Bottom Whorl), bei der er den Spinnfaden nach jedem Aufwickeln mit einem halben Schlag sichern muss.
Eines steht aber fest: bei einer Hochwirtel-Spindel geht es nicht ohne Haken.

Einen Haken kann man mit etwas Geschick selbst in den Spindelschaft schnitzen.

Einen fertigen Schraubhaken kaufen und diesen in das Schaftende einschrauben oder eine geschlossene Schrauböse nehmen, die man später vorsichtig aufbiegt, so dass sie ein bisschen wie der Ringelschwanz eines Ferkelchens aussieht (erstes Bild ganz links).

Bei allen Einschraub-Varianten muss man aber unbedingt vorher vorbohren (Bohrerdurchmesser etwas kleiner als der Gewindedurchmesser), weil sich ansonsten der Spindelschaft beim Einschrauben leicht spalten würde.

Man kann sich aber auch aus Draht selbst Haken biegen und diese dann in eine Bohrung am Schaftende einkleben. So kann man auch mit anderen Hakenformen (dreieckig, oben spitz zulaufend etc. experimentieren).

Bei allen Biegeversuchen sollte man aber eine Rundzange verwenden. Dies ist eine Zange, bei der die beiden Zangenbacken/-nasen eine runde Form (im Querschnitt) haben. Kanten oder Riffelungen in den Zangenbacken würden Kerben in den Haken ergeben, an denen die Spinnfasern sich verhaken würden.

Weiterhin sollte man noch die obere Schaftkante abrunden, so dass der Spinnfaden dem Haken optimal zugeführt werden kann.

Schaftenden ohne Haken

Die einfachsten Formen hierzu sind rechts abgebildet und lassen sich mit Schnitzmesser, Raspel und Sandpapier leicht herstellen.

Je mehr sich der Schaft oben verjüngt und je näher dadurch der Spinnfaden zur Mitte/Achse des Schaftes rückt, um so ruhiger läuft anschließend die Spindel. Nach diesem Gesichtspunkt wäre der Schaft ganz rechts am schlechtesten. Meist schnitze ich einen solchen Knubbel in das andere Ende eines Schaftes mit Haken. So kann man z.B. eine Hochwirtel-Spindel schnell mal umdrehen und als Tiefwirtel verwenden.

Eine Kerbe im Schaftende verhindert, dass der halbe Schlag zur Fadensicherung aus Versehen abrutscht (ist aber auch etwas schwerer wieder zu lösen vor dem Aufwickeln des Fadens). Mit etwas Übung geht es aber auch gut ohne Kerbe (ist halt auch hier wieder Geschmackssache).

Nachbearbeitung des Schaftes

Zum Schluss natürlich noch den Schaft mit Sandpapier glätten. Es empfiehlt sich dies allerdings erst nach der Anfertigung des Wirtels zu tun, damit man ihn dabei immer wieder „anprobieren“ kann und verhindert, dass dieser zu dünn wird.

AutorIn: Dagmar Gaber