Handspinngilde e.V.

Kreuzspindel

( … manchmal auch unter dem Namen Türkische Spindel vertrieben, obwohl sie gar nicht aus dieser Gegend stammt)

Natürlich braucht man auch hier einen Schaft, der je nach Belieben ausgestattet werden kann.

Statt eines runden Wirtels wie bei einer Scheibenspindel hat die Kreuzspindel zwei Spindelarme.

Dies sind einfache Leisten, die genau in der Mitte mit einer Bohrung versehen sind, durch die dann der Spindelschaft gesteckt wird. Wie der Name der Spindel schon sagt, werden dabei beide Arme senkrecht zueinander d.h. über Kreuz angeordnet.

Man kann sich zum Bau der Spindelarme entsprechende Vierkantleisten im Baumarkt kaufen oder – die etwas preisgünstigere Variante – bei einem befreundetet Tischler oder Bastler nach Abfallleisten nachfragen.

Ich persönlich bevorzuge es, wenn die Bohrung in den Spindelarmen ein winziges bisschen kleiner ist, als die Schaftdicke, so dass die Spindelarme von alleine auf dem Schaft festklemmen (lieber den nächstkleineren Bohrer nehmen und dann den Schaft oder die Bohrung mit Sandpapier u. Feile bearbeiten, bis es gerade so passt).

Sitzen sie nämlich lose auf dem Schaft (wie bei vielen gekauften Kreuzspindeln), muss man diese mühsam mit dem Anfangsfaden auf dem Schaft „festlaschen“. Ansonsten würden sie sich bei jedem Anschubsen der Spindeln nicht richtig mitdrehen sondern auf dem Schaft durchrutschen und die ganze Schwungkraft wäre hinüber.

Leider erschwert einem dieser „Lasching“ später das Herausziehen des Spindelschaftes …

Der Clou / die Verwendung

… ist die Art, wie das frisch gesponnene Garn auf der Spindel aufgewickelt wird. Nämlich nicht wie bei einer Scheibenspindel konisch ober- oder unterhalb des Wirtels.

Man versucht ein möglichst gleichmäßiges Knäuel um den Schnittpunkt von Spindelarmen und Schaft herum aufzuwickeln, genauso wie zu einem normalen runden Knäuel, als ob die Spindelarme und der Schaft gar nicht existieren würden.

Ist die Spindel nun voll, muss man das Garn nicht wieder abwickeln, wie bei einer normalen Spindel. Man zieht zuerst vorsichtig den Schaft heraus und dann einen Spindelarm nach dem anderen …. und übrig bleibt ein fertig aufgewickelter Knäuel Frischgesponnenes.

Tipp

Wenn man sich in das untere Ende des Spindelschaftes einen kleine Schlitz hineinsägt und darin den Anfangsfaden festklemmt und beim Herausziehen des Schaftes darauf achtet, dass das Ende nicht mit hinein verschwindet, kann man das Knäuel von innen heraus abwickeln (ohne dass dabei der Knäuel wild herumrollen will)

Bis jetzt habe ich mich ja erfolgreich darum gedrückt, Euch mit irgendwelchen genauen Maße zum exakten Nachbauen (Kopieren?) einer Kreuzspindel zu füttern und eigentlich würde ich es am liebsten ganz vermeiden, damit sich niemand dazu verleitet fühlt, unbedingt das gleiche Material einzukaufen und eventuell vorhandenes kostenloses zu ignorieren, nur weil es nicht genau die gleichen Maße hat.

Zudem lädt diese Spindelart einen geradezu ein, mit unterschiedlichen Maßen, Materialien zu spielen. Gerade diese Experimente halte ich für sehr wichtig für einen Spindel-Anfänger. So kann derjenige selbst beobachten, fühlen und „begreifen“, wie sich unterschiedliche Spindelgewichte und unterschiedliche Gewichtsanordnungen auf das Spindelverhalten auswirken

Viele Anfängerprobleme mit Handspindeln kommen daher, dass mit einer zu schweren Spindel versucht wird, einen zu dünnen Faden zu spinnen oder umgekehrt mit einer zu leichten Spindel ein zu dicker Faden.

Für diejenigen, die ohne „Zahlen“ nicht auskommen mögen, hier ein paar Anregungen, was man so alles mit Kreuzspindeln ausprobieren kann:

Kreuzspindelexperiment A

Jeweils 15cm lang, Kiefer, zusammen mit 8mm dickem, 30cm langem Buschenschaft

Gewicht
dünne Arme (5×20 mm) 28 g
dicke Arme (10×20 mm) 42 g
beide Arme (*) 62 g

*jeweils ein dünner und ein dicker Arm parallel übereinandergelegt und beide Päckchen kreuzweise, wie vorher die einfachen Spindelarme alleine, aufstecken

Kreuzspindelexperiment B

Probiert mal folgendes aus:

  • ein Paar Spindelarme aus dem dicken Vierkantholz (10×20) 12 cm lang
  • ein Paar Spindelarme aus dem halb so dicken Vierkantholz (5×20) aber doppelt so lang: 24 cm

Beide Spindelkombinationen dürften ungefähr das gleiche wiegen … na, aber was ist mit den Spinneigenschaften? Verhalten sich beide Spindeln gleich?

Kreuszspindelexperiment C

Montiert jeweils paarweise an den Enden der Spindelarme kleine Gewichte (möglichst so, dass man sie am Ende vor dem Herausziehen der Arme wieder abnehmen kann).

  • bohrt Löcher in die Enden und steckt kleine Metallstifte hinein
  • sägt Schlitze in die Enden und klemmt Geldstücke hinein (Achtung, wenn die ausgeleiert sind, könnte sich die Spindel selbst zu einem Spenden-Verteil-Instrument umwandeln)
  • fixiert Gewichte mit Knetmasse außen an die Arme

Kreuzspindelexperiment D

Reif für ein Fliegengewicht?
(dieses Experiment ist eher für den fortgeschrittenen Handspindler)

  • Schritt 1 des Experimentes
    Kauft Euch mindestens 2 Eis am Stiel und esst diese auf
    (dieser Teil des Experimentes ist auch von Spinnneulingen erfolgreich zu bewerkstelligen)
  • Schritt 2:
    Beim nächsten Grillfest stibitzt Ihr der Küchenfee ein paar möglichst gerade, unverbogene Schaschlikspieße
    (Hinweis: die Handspinngilde lehnt jegliche Verantwortung für eventuelle aus Schritt 2 entstandenen Komplikationen und Konflikte mit dem Küchenpersonal ab)
  • Schritt 3:
    Bohrt nun gaaaaaaaaaaanz vorsichtig genau in die Mitte der beiden Eisstiele ein Loch in der Stärke des Schaschlikspießes (Achtung, die Eisstiele splittern leicht!*). Ist dies erfolgreich vollbracht, den Schaschlikspieß noch auf eine angenehme Länge kürzen.
    (* Hinweis No 2: Die Handspinngilde lehnt jede Haftung für durch unachtsame Bohrmanöver hervorgerufenen überhöhten Eiskonsum und damit verbundene Gesundheitsgefährdung ab).
  • Schritt 4:
    Fliegengewicht-Kreuzspindel zusammenbauen und viel Spaß beim Ausprobieren.
    Am besten mit ultrafeinen Fasern probespinnen.
AutorIn: Dagmar Gaber