Presseabschrift vom 15.Oktober, Vlothoer Zeitung

 

Bericht Angelika Krückemeier

Foto Oliver Schwabe

 

Kommentar und Abschrift Jürgen Schönwolff

 

Durch ein sehr kurzfristig erfolgtes Interview am Freitagabend konnte die Wochenendausgabe mit diesem Bericht erscheinen.

Anmerkung der Handspinngilde: Richtig lauten muss es... Flügelspinnrad mit Vorschub hat sich nicht  allgemein durchgesetzt....

 

Tüftler baut da Vincis Spinnrad

Der Exteraner Jürgen Schönwolff setzt ehrgeizigen Plan in die Tat um

 

Ein Spinnrad aus Exter hat beim internationalen Spinntreffen in Süddeutschland Aufsehen erregt.

Jürgen Schönwolff, Maschinenbau- Ingenieur, Unternehmer und ideenreicher Tüftler vom Solterberg, stellte dort zum ersten Mal sein neuestes Werk vor: den originalgetreuen Nachbau des ersten Flügelspinnrades der Welt, Ende des 15. Jahrhunderts von Leonardo da Vinci entworfen.

 

Die Besucher des internationalen Spinntreffens in Schramberg staunten nicht schlecht über den Mann im Umhang und Samtmütze. Es war, als sei Meister Leonardo persönlich gekommen, um eine seiner genialen Erfindungen zu präsentieren.

Jürgen Schönwolff machte die Verkleidung ebensoviel Spaß, wie die ungewöhnliche Handwerksmaschine, deren Arbeitsweise er dem höchst interessiertem Publikum detailreich

vorführte.

Ein Jahr hat es gedauert, bis das ehrgeizige Projekt des 56-Jährigen verwirklicht war. Ein Großteil der Zeit ging allein für das Studium der Skizzen drauf. >>Vieles war nur Gekritzel , auf das ich mir erstmal einen Reim machen musste<< .Außerdem musste er eine Lösung für einen Fehler finden, den der Italiener in die Skizze gebaut hatte." Das war typisch für da Vinci; erschützte sich damit vor ungewollten Nachahmern" weiß Schönwolff.

Jetzt ist das 80 cm große gute Stück aus Buchenholz fertig, voll funktionstüchtig und steht für Ausstellungen zur Verfügung.

Das Flügelspinnrad ( mit Vorschub!) hat sich in der Textilherstellung zwar nie durchgesetzt, war zur Zeit des berühmten Malers und Universalgenies jedoch eine umwerfende Erfindung. Aus nachvollziehbarem Grund: Mit der Spinnflügeltechnik (mit Vorschub!) wurde erstmals ein durchgehender Spinnvorgang ohne Unterbrechung möglich. Dank der Kombination von Flügel und Spule kann der Wollfaden in einem Arbeitsgang gezogen, gedreht und aufgespult werden.

Eben diese Technik faszinierte den Exteraner, als er während eines Italien Urlaubs in Siena auf die Skizzen Leonardo da Vincis stieß.>> Da war sofort der Reiz , den Nachbau zu versuchen.<<

Beruflich hat es Jürgen Schönwolff mit großen Maschinen zu tun. In seinem Betrieb in Exter konstruiert er bis zu 3 Quadratmeter große Tiefziehmaschinen: >> Als Maschinenbauer interessiert man sich jedoch für so ziemlich jede Technik.<<

Seine Affinität zu Spinnrädern stammt aus der Zeit, als er als Einrichter von Fachräumen für die Textilherstellung ( in Schulen!) tätig war. " Ich war damals sozusagen der Experte für den Aufbau von zerlegt gelieferten Webrahmen und Spinnrädern"

Die zahlreichen Kontakte zu Spinngruppen weckten sein Interesse für dieses Hobby. Mitlerweile ist er im Vorstand der  Handspinngilde- ein eingetragener Verein mit Sitz im Schwarzwald, der in ganz Deutschland Mitglieder hat. >> Dank Internet pflegen wir lebhaften Kontakt  und Austausch untereinander<<, erklärt der Exteraner. Wer sich für die Aktivitäten des Vereins interessiert, kann sich bei ihm nähere Informationen holen.

Das mit viel Liebe und technischem Sachverstand nachgebaute Flügelspinnrad hat Jürgen Schönwolff seinem Verein gestiftet. Es dürfte noch auf vielen großen und kleinen Ausstellungen der Hingucker werden.