Überblick

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Das Flügelspinnrad

Es gibt Spinnräder in allen möglichen Formen und Materialien. Die größte Gruppe der heutzutage von Hobby-Handspinnern verwendeten Spinnrädern gehören zur Kategorie Flügelspinnräder mit Fußantrieb.

Erst durch die Erfindung des Spinnflügels wurde ein durchgehender Spinnvorgang ohne Unterbrechungen ermöglicht, dank der Kombination von Spinnflügel und Spule kann nun in einem Arbeitsgang der Faden ausgezogen, verdreht und gleichzeitig aufgespult werden.

Die ältesten Abbildungen von Flügelspinnrädern finden sich im Mittelalterlichen Hausbuch der Familie Waldburg-Wolfegg (ungefähr aus dem Jahr 1480) und von dem Entwurf eines Flügelspinnapparates von Leonardo da Vinci (Cod. atl. Blatt 393 v-a; ca. 1490). Beide Spinnräder hatten aber noch keinen Fußantrieb.

In vielen Quellen wird die Erfindung des Tretspinnrades auf das Jahr 1530 datiert und dem Bildhauer Johann Jürgens aus Wattenbüttel zugeschrieben. Es muss aber angenommen werden, dass dies nicht korrekt ist und die Erfindung des Tretantriebes aus England stammt.

Jetzt möchte ich aber den kleinen Ausflug in die Geschichte beenden. Wer sich hierfür näher interessiert, dem sei das nachfolgend genannte Buch empfohlen, das 2003 beim Rasch Verlag Bramsche neu aufgelegt wurde.

Quelle: Almut Bohnsack: Spinnen und Weben. Entwicklung von Technik und Arbeit im Textilgewerbe, 1989, Reinbeck ISBN 3-935326-97-1

Sollten Ihnen die Bezeichnungen der einzelnen Spinnradteile noch nicht geläufig sein, dann klicken sie auf das Spinnradbild auf der rechten Seite.

Aber nun zurück zu dem Funktionsprinzip von Flügelspinnrädern. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich Spinnflügel und Spule mit unterschiedlicher Geschwindigkeit drehen und dadurch der über den Spinnflügel zugeführte frisch gesponnene Faden sich automatisch auf der Spule aufwickelt. Wie genau diese unterschiedliche Rotationsgeschwindigkeit erreicht wird, geschieht nach drei unterschiedlichen Systemen:

Zweifädiges Spinnrad

oder auch doppelfädiges genannt. Hier werden sowohl Spule als auch Spinnflügel durch den Antriebsriemen angetrieben.

Einfädiges Spinnrad mit Flügelbremse

Der Antriebsriemen läuft hier über die Rille der Spulenscheibe und es befindet sich eine Bremsvorrichtung am Spinnflügel.

Einfädiges Spinnrad mit Spulenbremse

Hier wird der Spinnflügel angetrieben und ein in der Spannung einstellbarer Bremsfaden läuft über die Rille der Spule(nscheibe).